Schon klar, nur weil ein Festival «Summerdays» heisst, ist nicht zwingend schönes Wetter angesagt. Aber überlegt man sich das? Im April, wenn einem die Unternehmungslust packt und der August noch weit weg ist. Ich nicht, ich hätte am liebsten gleich gepackt und wäre am nächsten Wochenende bereit gewesen. Vorfreude. Das kann ich gut. In meinen Gedanken bin ich schon dort gewesen, lange bevor der Event stattfindet. Wenn das eine oder andere Lied im Radio gespielt wird, weiss ich, das werde ich live erleben.
In vier Tagen ist es nun soweit. Zum Glück ist der Wetterbericht positiv. Aber was braucht man da überhaupt alles, was tun wir die ganze Zeit? Mein letztes Festival liegt Jahre zurück. Einfach jetzt nicht nervös werden. Meine besten Freundinnen sind mit dabei. Da gibt es genug zu reden und zu lachen.
Und dann regnet es trotzdem am Freitagabend. Nicht die ganze Zeit, während des Auftritts von Stefan Eicher bleibt es trocken. Meine Entdeckung: die Coverversion «Intercity» von Stiller Has mit meiner Lieblingszeile «bi rägä stinkäd d’Lüt im Nünitram wiä nassi Füchs im Zoo». Es ist ein cooler Abend, aber das Nass von oben taugt mir nicht oder ich bin nicht gut ausgerüstet. Ausserdem bin ich müde und kann mir nicht vorstellen, wie ich den Samstag überstehen soll. Vor allem wenn es regnet.
Zum Glück kommt es nochmals anders. Es regnet den ganzen Samstag keinen Tropfen. Es hat bedeutend mehr Leute auf dem Gelände und auch viel Jüngere. Die Stimmung ist gut und friedlich. Wir schwitzen in unseren langen Jeans und träumen von leichter Kleidung. Deshalb stellen wir uns bei der Aperol-Spriz-Bar in die Kolonne, dann in die vor dem Crêpes-Stand und zwischendurch in die Kolonne bei den WC’s. Obwohl, eigentlich haben wir immer Glück.
Und die Musik ist wirklich super. Für mich dürfte es etwas härter sein, aber das war mir klar. Zum Beispiel finde ich die Version von Rammsteins «Sonne», gesungen von Max Giesinger sehr cool. Das Lied «Did you hear the rain?» von Georg Ezra trifft mich wie ein Blitzschlag und bohrt sich ganz tief in mein Herz. Lo & Leduc füllen die ganze Bühne mit einer riesigen Portion Energie, für die es sich lohnt bis zum Schluss zubleiben und den Unterschied zwischen Live und Konserve am ganzen Körper zu spüren.
Das war 2022. Ungefähr so habe ich das damals zwei Wochen später aufgeschrieben. Seither war der Text unter meinen Entwürfen abgespeichert, unfertig und unveröffentlicht. Bis jetzt da die Fortsetzung folgte.
Und es war dieses Mal ähnlich. Bereits letzten Dezember besorgte ich für das diesjährige Summerdays Tickets. Der Sommer begann früh und hielt lange an, sehr lange. Der heisseste August aller Zeiten und trotzdem schlechte Wetterprognosen für genau diesen Freitag. Nicht nur Regen, sondern Sturm, der dann schon am Morgen über Teile des Landes zog.
Ausgerüstet mit Gummistiefeln und Regenbekleidung reisten Rahel und ich nach Arbon. Dort angekommen erkundeten wir das Gelände und trafen die ersten bekannten Gesichter. Wir stellten uns in die Kolonne vor den Toiletten und später in die bei den Donuts, weil sie kürzer war, als die bei den Crêpes. Irgendwann regnete es leicht und zwischendurch auch mal ausgiebiger. Unsere Füsse blieben trocken und wir fragten uns, ob es jene der Herren mittleren Alters in ihren Turnschuhen. Wir pendelten zwischen der Bühne und einem Zelt in dem die Pausen mit Livemusik überbrückt wurde. Nach Gotthard und Roxette machte mein Highlight den Schluss. «Ich hab heute nichts versäumt, denn ich hab nur von dir geträumt, alles was ich an dir mag, ich mein es so wie ich es sag, ich bin total verwirrt, ich werd verrückt wenn’s heut passiert», ja die Kassette von Nena habe ich oft gehört, sehr oft. Und das hätte eigentlich als Backflash genügt, aber wir übernachteten in St. Margrethen, im Haus in dem ich aufgewachsen bin, in «meinem» Zimmer. Richtig bewusst wurde mir das erst, als ich die Fensterläden öffnete und der Vollmond ins Zimmer schien. Viel Gedanken konnte ich mir nicht machen, es lagen schliesslich nur ein paar wenige Stunden Schlaf vor uns.
Um sieben Uhr weckte uns mein Handy. Eine Katzenwäsche und ein Joghurt später fuhren wir nach Frauenfeld. Den Besuchstag der Transportkompanie 3 der Verkehrs- und Transportschule 47 mit Rekrut Lukas wollten wir nicht verpassen.
Aber auch nicht das ganze Samstagprogramm in Arbon. Deshalb verabschiedeten wir uns noch vor dem Abtreten.
Den Schlamm hatten sie abgedeckt. Nur der weiche Untergrund und der typische Openairgeruch verriet den Regen des Vortages. Wir waren immer noch oder schon wieder müde. Es gelang uns, einen überdimensionalen Liegestuhl zu ergattern und darin etwas auszuruhen. Im Nachhinein einer der besten Momente des Festivals. Einer den man (jedenfalls als Mutter) nie vergisst. Rahel und ich, dösend, schlafend, miteinander, nebeneinander, Kopf an Schulter, Kopf auf Kopf.
Danach bezogen wir Stellung in der Mitte möglichst nahe vor die Bühne und blieben dort für den restlichen Abend. Zeitweise wollte ich vor lauter Müdigkeit, Schmerzen und vielen Leuten aufgeben, aber ich hielt durch. War wieder beeindruckt von der Wortgewandtheit von Lo & Leduc. Tauchte mit Max Herre und Joy Denalane in die 90er ab, liess mich von Tom Odell in melancholische Stimmung ziehen. Hecht schloss den Abend mit ihrer fulminanten Show ab. Ich war fix und fertig und nicht sicher, je wieder ein Festival zu besuchen. Nun sind schon wieder drei Wochen vergangen und die guten Erinnerungen überwiegen. Mal sehen und das nächste Lineup abwarten.